CBAM ist das CO2-Grenzausgleichssystem der EU aus der Verordnung (EU) 2023/956. Seit dem 1. Januar 2026 muss der EU-Einführer für bestimmte Waren CBAM-Zertifikate abgeben, wobei ein Zertifikat eine Tonne CO2-Äquivalent abdeckt.
Was kostet das? 1.000 Tonnen warmgewalztes Stahlband aus Indien kosten bei einer Einfuhr im Jahr 2026 in diesem Beispiel 253.919 €. Bei derselben Lieferung wären es 365.786 € im Jahr 2030. Beide Werte berechnen wir unten mit den Standardwerten der Kommission und dem Zertifikatspreis.
Warum es CBAM gibt
CBAM soll die Verlagerung von CO2-Emissionen verhindern. Hersteller in der EU zahlen für ihre Emissionen im EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS). Ohne einen Grenzausgleich hätte Stahl aus Kohlekraft außerhalb der EU keinen vergleichbaren CO2-Preis, und die Produktion könnte dorthin abwandern, wo CO2 kostenlos ist.
Der Preis eines CBAM-Zertifikats folgt dem Auktionspreis des EU-EHS. Der Einführer zahlt damit ungefähr denselben CO2-Preis, den ein Hersteller in der EU für eine Tonne CO2 zahlen würde.
Welche Waren unter CBAM fallen
6 Sektoren fallen unter CBAM. Die Warenliste der Verordnung nennt sie nach KN-Code:
| Sektor | KN-Codes im Anwendungsbereich |
|---|---|
| Eisen und Stahl | 479 |
| Aluminium | 58 |
| Düngemittel | 27 |
| Zement | 6 |
| Strom | 1 |
| Wasserstoff | 1 |
Das sind die 572 achtstelligen Codes der Kombinierten Nomenklatur 2026, die in dieser Warenliste stehen. Auf Eisen und Stahl entfallen die meisten Codes, weil nachgelagerte Waren dazugehören. Schrauben, Bolzen, Rohre, Schienen und Stahlkonstruktionen fallen ebenso darunter wie das Rohmetall. Die vollständige Liste mit den Standardwerten je Code steht in der Liste der CBAM-KN-Codes.
Ab wann CBAM gilt und wer zahlt
Die Regelphase begann am 1. Januar 2026 nach einer reinen Berichtspflicht von Oktober 2023 bis Ende 2025. Die Pflicht liegt beim Einführer in der EU.
Von Oktober 2023 bis Ende 2025 galt ein Übergangszeitraum mit reiner Berichtspflicht. Ab dem 1. Januar 2026 gilt:
- Ein Einführer mit mehr als 50 Tonnen CBAM-Waren im Kalenderjahr muss zugelassener CBAM-Anmelder sein. Für Strom und Wasserstoff gibt es keinen Schwellenwert.
- Der Anmelder gibt für die Einfuhren eines Jahres eine jährliche CBAM-Erklärung ab. Bis zum 30. September des Folgejahres gibt er die Zertifikate für die grauen Emissionen ab. Die erste Frist ist der 30. September 2027, für Waren aus dem Jahr 2026.
- Der Verkauf der Zertifikate auf der gemeinsamen zentralen Plattform beginnt am 1. Februar 2027. Während 2026 hält niemand Zertifikate.
- Ab 2027 muss ein Anmelder am Ende jedes Quartals Zertifikate für mindestens 50 % der grauen Emissionen seiner Einfuhren des Jahres halten.
Diese Daten stammen aus der Verordnung (EU) 2025/2083, die die CBAM-Verordnung im Oktober 2025 geändert hat. Sie führte den Schwellenwert von 50 t ein, verschob die Erklärung vom 31. Mai auf den 30. September und senkte die vierteljährliche Haltepflicht von 80 % auf 50 %. Viele ältere Erklärungen nennen noch die früheren Fristen.
Der Hersteller außerhalb der EU zahlt nicht selbst und gibt keine Erklärung ab. Sein EU-Abnehmer wird aber die tatsächlichen Emissionen der Anlage anfragen. Ohne diese Daten zahlt der Abnehmer auf Basis der Standardwerte, und die sind bewusst hoch angesetzt.
So berechnet sich der CBAM-Preis
Die Kosten einer Einfuhrposition sind Zertifikate mal Preis. Die Zahl der Zertifikate hängt von sechs Zahlen ab:
- Die Masse in Tonnen.
- Die grauen Emissionen je Tonne: entweder geprüfte tatsächliche Daten der Anlage oder der Standardwert, den die Kommission je KN-Code und Ursprungsland veröffentlicht.
- Der Aufschlag auf einen Standardwert: 10 % im Jahr 2026, 20 % im Jahr 2027, 30 % ab 2028. Für Düngemittel gilt in jedem Jahr 1 %.
- Der CBAM-Benchmark: was die saubersten EU-Werke für dieselbe Ware ausstoßen, veröffentlicht in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2620.
- Der CBAM-Faktor nach Artikel 10a Absatz 1a der Richtlinie 2003/87/EG. Er gibt an, welcher Anteil des Benchmarks abgezogen wird, weil EU-Hersteller noch kostenlose Zuteilung im EU-EHS erhalten. Er liegt 2026 bei 97,5 % und sinkt bis 2034 auf 0 %.
- Der Zertifikatspreis, den die Kommission aus den Auktionspreisen des EU-EHS ermittelt und veröffentlicht.
Zertifikate = Masse × Emissionen je Tonne × (1 + Aufschlag) − Masse × CBAM-Faktor × CBAM-Benchmark, aufgerundet. Kosten = Zertifikate × Preis. Ein im Ursprungsland bereits gezahlter CO2-Preis ist abziehbar. 2026 zahlt der Einführer also für alle Emissionen über 97,5 % des Benchmarks.
Hier ist eine reale Einfuhrposition: 1.000 Tonnen warmgewalztes Stahlband, KN 7208 39 00, aus Indien, eingeführt 2026.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Standardwert, Indien, KN 7208, Herstellungsweg C | 4,28 t CO2e je Tonne |
| Mit Aufschlag von 10 % für 2026 | 4,708 t CO2e je Tonne |
| Graue Emissionen, 1.000 t | 4.708 t CO2e |
| CBAM-Benchmark, Herstellungsweg C | 1,37 t CO2e je Tonne |
| Abzug, 1.000 × 97,5 % × 1,37 | 1.335,75 t CO2e |
| CBAM-pflichtige Emissionen, 4.708 − 1.335,75 | 3.372,25 t CO2e |
| Zertifikate, aufgerundet | 3.373 |
| Preis, Q2 2026 | 75,28 € |
| Kosten | 253.919,44 € |
Die Methode Schritt für Schritt, mit weiteren Beispielen, steht unter CBAM-Kosten berechnen.
CBAM-Kosten nach Einfuhrjahr
Bei gleicher Warenmenge steigen die Kosten, weil der CBAM-Faktor sinkt und der Abzug kleiner wird. Der Zertifikatspreis bleibt im folgenden Vergleich bei 75,28 €, damit nur das Einfuhrjahr die Rechnung verändert.
Dieselben 1.000 Tonnen aus Indien kosten 2026 253.919 € und 2030 365.786 €. Der Zertifikatspreis bleibt bei 75,28 €, nur das Einfuhrjahr ändert sich:
| Einfuhrjahr | Aufschlag | CBAM-Faktor | Zertifikate | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | 10 % | 97,5 % | 3.373 | 253.919 € |
| 2027 | 20 % | 95 % | 3.835 | 288.699 € |
| 2028 | 30 % | 90 % | 4.332 | 326.113 € |
| 2030 | 30 % | 51,5 % | 4.859 | 365.786 € |
Bis 2028 treibt vor allem der Aufschlag die Kosten, danach der sinkende Faktor. 2034 fällt der Abzug ganz weg, und dieselbe Lieferung kostet 418.933 €, ohne dass sich der CO2-Preis ändert. Deshalb fragen Abnehmer ihre Lieferanten nach tatsächlichen Emissionsdaten. Ein Lieferant mit einem geprüften Wert unter dem Standardwert spart seinem Abnehmer jedes Jahr Geld. Das Kostendiagramm zeigt diese Kurve für jeden KN-Code und bis zu 4 Länder.
Kosten nach Ursprungsland
Die Standardwerte unterscheiden sich nach Land. Dieselben Waren können je nach Ursprung mehr als 16-mal so viel kosten, weil nur die Emissionen über dem Abzug zählen. Für 1.000 Tonnen KN 7208 39 00 im Jahr 2026:
| Ursprung | Standardwert mit Aufschlag | Zertifikate | Kosten |
|---|---|---|---|
| Indien | 4,708 | 3.373 | 253.919 € |
| China | 3,506 | 2.170 | 163.358 € |
| Ukraine | 2,731 | 1.396 | 105.091 € |
| Türkei | 2,671 | 1.336 | 100.574 € |
| Südkorea | 2,330 | 995 | 74.904 € |
| Vereinigte Staaten | 1,540 | 205 | 15.432 € |
Die Kommission veröffentlicht Standardwerte für 121 Länder und einen Wert für die übrige Welt, der für jeden anderen Ursprung gilt. Am 31. Juli 2026 wurden sie vollständig ersetzt. Die Änderungen stehen unter CBAM-Standardwerte 2026.
FAQ
Was ist die CBAM-Verordnung einfach erklärt?
Sie verpflichtet EU-Einführer bestimmter CO2-intensiver Waren, für die grauen Emissionen ihrer Importe CBAM-Zertifikate abzugeben. Der Preis orientiert sich am EU-EHS.
Ist CBAM eine Steuer oder ein Zoll?
CBAM ist weder eine Steuer noch ein Zoll auf den Warenwert. Der Einführer kauft Zertifikate und gibt sie für die grauen Emissionen der Waren ab.
Gilt CBAM für Unternehmen außerhalb der EU?
Die rechtliche Pflicht liegt beim Einführer in der EU. Hersteller außerhalb der EU liefern aber die Emissionsdaten, die der Einführer für die Berechnung braucht.
Was gilt bei weniger als 50 Tonnen?
Bis 50 Tonnen CBAM-Waren je Kalenderjahr kann die Pflicht entfallen. Für Strom und Wasserstoff gilt dieser Schwellenwert nicht. Die Einzelheiten stehen in der Freigrenze von 50 Tonnen.
Wann müssen die ersten Zertifikate abgegeben werden?
Die Zertifikate für Einfuhren aus 2026 werden ab dem 1. Februar 2027 verkauft. Die erste CBAM-Erklärung und die Abgabe der Zertifikate sind bis zum 30. September 2027 fällig.
Nächste Schritte für Einführer
- Zählen Sie die CBAM-Tonnage des Jahres je einführender Gesellschaft. Unter 50 t der Waren mit Schwellenwert gilt die Pflicht unter Umständen nicht. Siehe die Freigrenze von 50 Tonnen.
- Prüfen Sie den Status als Anmelder. Über 50 t ist eine Einfuhr ohne Zulassung ein Verstoß.
- Bewerten Sie jede Position mit Standardwerten. Der CBAM-Rechner berechnet eine einzelne Position in wenigen Sekunden. Fragen Sie dann die Hauptlieferanten nach geprüften tatsächlichen Emissionen, wo der Standardwert hoch ist.
- Planen Sie die Zertifikate für Einfuhren 2026 zum Quartalspreis ein. Sie kaufen sie ab Februar 2027 und geben sie bis zum 30. September 2027 ab.
Quellen: Verordnung (EU) 2023/956, Artikel 6 und 31, geändert durch die Verordnung (EU) 2025/2083. CBAM-Benchmarks aus der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2620, CBAM-Faktor nach Richtlinie 2003/87/EG, Artikel 10a Absatz 1a. Standardwerte aus der Verordnung (EU) 2026/1740. Zertifikatspreis von der Preisseite der Kommission. Zahlen berechnet am 19. Oktober 2026 aus dem Datensatz von CBAM Data.